persönliche Recherche-Arbeit?!

Es gab Zeiten, da konnte ich mich nicht einmal in einer Bibliothek richtig konzentrieren geschweige denn Ruhe finden.Jede noch so kleine Regung, jeder Stift der sich bewegte, jede Seite die umgeschlagen wurde, jede Person die vorbeiging, Schritte, Räuspern, Knistern, alles um mich rum habe ich wahrgenommen und in mein Bewusstsein aufgenommen. Ich konnte es einfach nicht so wirklich abschalten. Manchmal war es zum verrückt werden.

Zuhause halfen da auch nur Ohrenstöpsel, Türen und Fenster zu. Dann war alles still um mich. Aber selbst wenn um mich herum Stille herschte, bedeutete das nicht gleichzeitig, das auch die Stimmen in meinem Kopf schweigen wollten. Die hatten scheinbar immer was zu melden. Mal war es die Erinnerung an Geschehnisse des Tages, oder an ein Ereignis aus der Vergangenheit, was erstmal verdrängt wurde und sich unangemeldet dazwischen schaltete und mich vom konzentrierten Lesen, Lernen, Schreiben oder einfach nur Denken abhielt. Keine ruhige Minute wollte mir mein Kopf zugestehen. Kein Wunder, dass man dann dauerhaft müde und unkonzentriert ist, vorallem wenn man ja abends auch einnichtmal schlafen kann.

Meist versuchte ich diese unliebsamen Gedanken einfach wieder zu verdrängen. Dahin zu verbannen wo sie hergekommen sind, nicht weiter zu beachten. So wie ich es die ganze Zeit über getan hatte, einige Jahre lang. Das die Verdrängung vielleicht nicht der richtige Weg war, wollte ich nicht wahr haben. Es dauerte also eine Weile, bis ich das begriffen hatte. Denn ich wusste ja nicht, was sich dahinter verbirgt, wenn ich mich wirklich mal damit auseinander setze. Und Ungewissheit mochte ich nicht. Bei mir war alles durchgeplant. Könnte wohlmöglich der schöne Schein ein Ende nehmen, die mit Mühe aufgebaute Fassade bröckeln, der Selbstbetrug aufhören?!

Das Risiko war ich lange Zeit nicht bereit einzugehen. Die Gründe sind vielfältig: Aus Angst davor vielleicht Schwäche zu zeigen, Gefühle zuzulassen, zu weinen, zu schreien, wütend zu werden, vielleicht auch zu lachen, sich einzugestehen, Fehler gemacht zu haben.. Bis jetzt!
Ich weiß, dass es wichtig ist, sich auch mit all den unguten Gefühlen zu befassen, die sich zwischendurch so einschleichen. Bedürfnisse zu erkennen, die dahinter stecken. Und diese auch mal wahrzunehmen. Nicht immer an die anderen Denken, und an deren Gefühle, die vielleicht verletzt werden könnten, sondern nur an Meine! Wie geht es MIR damit, dass dies und das gerade passiert / gesagt wird / getan wird.Wie fühle ich mich dann?
Stück für Stück, ganz langsam. Auch das ist nicht gerade meine Stärke, denn Schnelligkeit und Effizienz bestimmt den Geist unserer Zeit, und so auch meinen. Lösungsorientiert wollte ich handeln. Aber so einfach war das dann auch nicht. Nicht alles auf einmal, denn auch das kann sehr erdrückend sein und ist nicht wirklich angenehm. Mal ganz davon abgesehen, dass negative Gefühle und verdrängte Ereignisse meist unangenehm sind. Sonst wären sie ja nicht verdrängt worden.

Offenkundig Schwächen zu zeigen und sich einzugestehen, dass man einige Dinge nicht beherrscht, nicht versteht oder noch nicht kennt. Das man vielleicht einem Trugschluss gefolgt ist, oder einer „anderen“ Meinung ist als der Rest. Sich so annehmen wie man ist, auch wenn das vielleicht von Außenstehenden teilweise befremdlich wahrgenommen wird. Wieso soll ich mich denn verändern, damit die anderen mit mir klarkommen? Ist doch eigentlich nicht mein Problem!
Leider habe ich das lange Zeit im wahrsten Sinne zu „meinem“ Problem gemacht. Und zwar insofern, als das ich dauernd an mir selbst rumkritisiert habe, dass ich mal lockerer werden soll, und mich verstellt habe, um von anderen gemocht zu werden. Ich über das was ich gesagt und getan habe mehrmals nachgedacht, ob es denn wirklich richtig oder Ok so war..

Erst als die Verarbeitung von einigen Gefühlen, Geschehnissen und Gedanken passiert war, die mir die Erklärung dafür geliefert haben, WARUM es mir eigentlich ständig darum geht, angenommen, akzeptiert und gemocht zu werden, konnte ich auch wieder abschalten und mich mehr auf mich, und wie ich bin, konzentrieren. Ich hatte weniger den Gedanken, nun für andere verantwortlich zu sein, sondern wollte es wieder mehr für mich selbst sein.
Wann ist mir nach Rückzug und Ruhe zu mute? Dann nehme ich mir diese Auszeit!!
Wann ist mir nach Scherzen und guter Laune? Dann lebe ich sie aus, egal wie die andern grad drauf sind! – Nur ich selbst leide am Ende darunter wenn ich es nicht tue..

Im Endeffekt konnte mir keiner dabei helfen, niemand mich begleiten oder zur Seite stehen. Nur ich mir selbst! Denn das Verstehen kann nur ich allein. Das Verarbeiten kann nur ich allein, weil nur ich diese Sicht auf die Dinge und die Welt habe, und niemand kann sie teilen. Somit wäre es vermutlich nur frustrierender geworden, hätte ich versucht, anderen verständlich zu machen, die mich im Endeffekt doch nicht verstanden hätten.
Natürlich gab es viele Menschen, die mich immer ein kleines Stück begleitet haben, die mir einen Auslöser oder einen Tipp gegeben haben, der mich in eine neue Richtung gebracht hat, die mich verstanden und mir zugehört oder mich getröstet haben. Und dafür bin ich natürlich auch unglaublich dankbar, denn ohne diese Menschen hätte ich es nicht geschafft. Sie haben mir die Augen geöffnet und mir einen Spiegel vorgehalten. Oder sie haben mir ein offenes Ohr geschenkt, mir eine Schulter zum anlehnen und ausheulen gegeben. Sie haben mir gezeigt, was in mir steckt.. und steckte. Die ganze Zeit lang.

Was ich durchgemacht habe um an diesen Punkt, an dem ich jetzt bin, zu kommen, kann niemand nachvollziehen. Das kann wieder nur ich ganz allein. Aber es war mehr als notwendig.

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Ein Kommentar zu „persönliche Recherche-Arbeit?!

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