Rituale – einfach mal nicht mit dem Strom schwimmen

Heute kamen wir mal wieder in einem Gesprächsführungsseminar auf das Thema „Rituale“ zu sprechen.

So wenig wie man auch im alltäglichen Leben über die Bedeutung und die Wirkungsweise von Ritualen nachdenkt, so oft bestimmen sie dennoch unsere Alltäglichkeit.

Von dem morgendlichen Weckritual, zum Teetrinkritual (wie es wahrscheinlich häufiger bei den Japanern oder Engländern vorkommt), zu den eher weniger oft vorkommenden Trauer- oder auch Hochzeitsritualen. Aber oft vergessen wir, was dieses Ritual doch mit uns macht. Es zwingt uns nämlich in gewisser Weise eine Verhaltensweise auf, die wie mehr oder weniger unterbewusst schon abliefern..

Anlässig des gerade vergangenen Weihnachtsfestes, was ja auch ein Ritual ist, und der Silvesterfeier,habe ich mich auch mal ein bisschen mit diesem Thema etwas mehr befasst. Natürlich verbinden wir oft mit einem Ritual etwas schönes, vielleicht ein Fest oder eine schöne Tätigkeit, wie zum Beispiel das Ritual zusammen das Abendessen einzunehmen, oder einen Geburtstag zusammen mit Freunden zu feiern. Es wiederholt sich regelmäßig und der Ablauf scheint schon wie eingespielt zu sein..
Umso enttäuschter ist man dann, wenn das Ritual/das Fest oder was auch immer mal nicht so abläuft wie es soll.. Wenn man z.B. an seinem eigenen Geburtstag krank wird, und deshalb nicht feiern kann, oder aber wenn man sich dazu entscheidet, seinen Geburtstag (oder ein anderes Fest) nicht so zu feiern wie es sonst eben üblich war.. Dann sind meist die andern enttäuscht und man stößt vielleicht auf Widerstand. Es ist doch quasi schon eine Art Erwartungshaltung die man hat/auferlegt bekommt..

Das ist meist der Grund, warum auf Biegen und Brechen versucht wird, seine Rituale aufrecht zu erhalten.. Ja, man kann jetzt sagen, der Mensch ist ein Gewöhnungstier und er braucht diese Regelmäßigkeit, diese Routinen. Dennoch tun sie uns nicht immer gut, sie zwingen uns eine gewisse Verhaltensweise auf, man erwartet etwas von uns, und es ist mit Kritik oder anderen unerwünschten Reaktionen zu rechnen, wenn man diese nicht erfüllt. Stellen wir uns einfach mal vor, man ist Weihnachten nicht freudig über die alljährlich aufgetischte Gans mit Rotkohl und Kartoffeln, nicht erfüllt von der ach so tollen Liebe, die ja angeblich immer in der Luft schweben soll. Wer kennt es..(nicht) ?! 😀

Ich finde, man sollte sich auch mal wagen aus der Routine, aus diesen Ritualen auszubrechen, wenn man merkt, dass es einem absolut nicht mehr passt. Man muss nicht jeden Montag, Mittwoch und Freitag wie gewohnt zum Sport gehen (weil es alle tun, und es immeeer total voll ist)!
Auch muss man nicht immer Weihnachten mit der Familie und dem Gänsebraten verbringen, oder Silvester mit Freunden in einem Club feiern. Vielleicht dreht man das ganze mal um, oder man verschwindet zu gewissen Feiertagen mal aus dieser alljährlichen Routine. Zum Beispiel in dem man mal in ein anderes Land fährt, dort neue Leute kennen lernt.. und man dann vielleicht merkt, was man alles vorher verpasst hat!

Auch was das Trauerritual angeht lässt man sich vielleicht ein wenig unter Druck setzen, wenn es darum geht angemessen zu trauern.. Sei es nun ein geliebter Mensch, oder ein Haustier was von einem gegangen ist. Man muss nicht zwingend danach in eine Tiefe Depression verfallen, sondern es ist auch nichts dabei, sein Leben relativ normal weiter zu leben. Man muss nicht zwingend tagelang weinen, man kann auch ohne Weinen die Trauer verarbeiten oder traurig sein. Und das ist alles ok so.. Leider haben die Menschen um uns herum viel zu oft eine Erwartungshaltung an uns bei bestimmten Ereignissen.. „Weil es immer schon so war.“ oder „Das macht man doch so.“

Eben nicht! Wenn es sich für mich gerade nicht richtig anfühlt, warum auch immer, dann muss ich es auch nicht machen. Egal um was es geht, sollte man sich nicht zu sehr von Ritualen oder Handlungsrichtlinien leiten lassen. Man kann das ganze natürlich noch weiter spinnen und auf typische Verhaltensweisen wie typisch männlich, typisch weiblich ausweiten, aber das würde jetzt den Rahmen sprengen. Und natürlich ist es jedem Selbst überlassen, in wie weit man an solchen Ritualen teilnimmt, solchen Routinen folgt. Aber wenn man dabei kein gutes Gefühl hat (jaa genau, unser Gefühl sagt uns meist sehr genau was gut für uns ist, wir unterdrücken es nur auch viel zu oft!) ist es doch eine Überlegung wert mal aus den altbekannten Dingen auszusteigen und mal über den Rand zu schauen, was es da noch so alles tolles gibt. Wer alltäglich sein Tee-Trink-Ritual pflegt weiß vielleicht gar nicht wie gut Kaffee schmeckt oder umgekehrt 😉

Wie heißt es denn auch so schön „Nur die Toten Fische schwimmen immer mit dem Strom..“ Es heißt, dass man keinen eigenen Kopf hat, keine eigene Meinung?! Sicherlich muss man jetzt nicht gegen alles rebellieren.

Im Endeffekt sollte man einfach das eine oder andere mal, bevor man eine gewohnte Handlung an den Tag legt, überlegen ob man das auch wirklich will, sich den Aufwand machen will, oder ob es sich gerade stimmig anfühlt.. Tut es das nicht, dann einfach mal mit jemandem zusammen tun, der die gleiche Meinung hat (nämlich mal was Neues, Unbekanntes zu tun) und dann auf den Rest schei***! Ohne schlechtes Gewissen, und sich dann mal überraschen lassen, was so interessantes auf einen wartet. Wenn man nämlich mal nicht Montags abends um 18 Uhr zum Sport geht, könnte man die Zeit im Kino, vor dem Fernseher, oder in der Natur verbringen. Und man entspricht aus diesem ständigen sich wiederholenden Kreislauf!

 

 

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